Nie wieder beleidigt

Wie du dich nie wieder beleidigt fühlst

Manchmal im Leben wirst du beleidigt. Naja, wenn es dir so geht wie mir dann eher öfter als weniger. Das kann sich natürlich unangenehm anfühlen, oder auch nicht.

Ich verrate dir ein kleines Geheimnis: Du musst dich nämlich gar nicht schlecht fühlen deswegen. Wie du dich nie wieder beleidigt fühlst erkläre ich dir in diesem Artikel.

Reine Interpretationssache

Dazu machen wir ein kleines Experiment, für das deine Vorstellungskraft gefragt ist. Also schließ Mal deine Augen und stell dir folgende Szenarien vor:

  1. Ein Asiate steht vor dir, sagt irgendein Wort in seiner Landessprache, das du nicht verstehst und schaut dich an, wie so ein Asiate eben schaut. „Originale“ Asiaten lächeln normalerweise nicht, weil sie sich eher über ihre Augen ausdrücken, daher auch die unterschiedlichen Smileys. Alteingesessene Asiaten lächeln uns zuliebe meistens die ganze Zeit. Irgendwie unheimlich. Aber nett. Egal, zurück zum Thema. Wie fühlst du dich? Wahrscheinlich berührt dich das ganz und gar nicht, du weißt ja nicht was er gesagt hat. Und was wenn es eine Beleidigung war? Tja, das wirst du wohl nie Erfahren.
  2. Irgendjemand steht vor dir und wirft dir ein Schimpfwort an den Kopf, das dir gewöhnlich nahe geht. Wie fühlst du dich dann? Wahrscheinlich beleidigt. Wahrscheinlich fragst du dich jetzt, ob da was dran ist, oder warum er so von dir denkt. Ziel also erreicht.

Der Punkt ist, es ist reine Interpretationssache. Das erste Beispiel macht das deutlich. Es ist in diesem Beispiel auch völlig egal ob der nette Asiate dich beleidigen wollte oder nicht. Er schafft es einfach nicht, weil du die Aussage einfach nicht als Beleidigung empfindest. Beleidigen kannst du dich also nur selbst.

Nimm zum Beispiel die Aussage: Du bist Blond. Das kann man jetzt als Beleidigung verstehen. Aber vielleicht bist du einfach Blond. Und ob du dich davon jetzt beleidigt fühlst hängt ganz und gar davon ab, ob du selbst es als Beleidigung einstufst oder nicht.

Ich hatte letztens so einen Vorfall mit einem Freund. Da ich mich hauptsächlich mit männlichen Zeitgenossen umgebe bin ich auch daran gewöhnt dass man Mal mit gewissen Wörtern um sich wirft. Und ich sage so zu ihm „Pussy“. War ganz und gar nicht böse gemeint, bloß ein kleines Sticheln. Aber er dreht daraufhin völlig durch und ist beleidigt.

Später stellt sich dann heraus, dass er von sich selbst glaubt eine Pussy zu sein (was ich lustigerweise gar nicht so sehe) und er sich dafür hasst, weshalb es ihm dann so nahe gegangen ist. Jeder hat also seine ganz eigenen Punkte, auf die er empfindlich reagiert und auf andere nicht.

Wenn jemand zu mir sagt ich wäre ganz schön von mir überzeugt, dann freue ich mich, lächle, sage ja und gehe wieder meiner Tätigkeit nach. Jemand anders wäre davon angegriffen. Ich habe aber natürlich auch so meine Punkte. Wenn man mir vorwirft ich wisse nicht wovon ich rede zum Beispiel. Warum ich mich davon angegriffen fühle?

Zum einen weil ich sehr viel Zeit und Energie darin investiere zu wissen wovon ich rede. Suggeriert also jemand ich hätte das nicht erreicht, würde das ja bedeuten ich hätte den Großteil meines Lebens einfach verschwendet. Zum anderen aber, weil ich mich manchmal genau das frage. Ich habe ganz einfach Selbstzweifel und frage mich, ob es genug ist. Und diese Selbstzweifel werden somit angesprochen und aktiviert, wenn ich so etwas höre und ich gehe an die Decke.

Es ergeben sich also 3 wesentliche Gründe, warum du dich beleidigt fühlen kannst:

  1. Du glaubst von dir selbst dass die Beleidigung auf dich zutrifft bzw. fragst dich ob da etwas dran ist
  2. Du glaubst dein Gegenüber wolle dich beleidigen und es ist dir wichtig ob die Person gut von dir denkt
  3. Du interpretierst eine bestimmte (neutrale) Aussage als Beleidigung

Wie du dich nie wieder beleidigt fühlst

Aus den Gründen ergeben sich dann auch die Strategien, die du anwenden kannst um dich nicht mehr beleidigt zu fühlen. Ein unerschütterlich gutes  Selbstbild hilft dabei natürlich enorm. Und was kannst du konkret tun?

  • Wichtigkeit einstufen
    Ein Fremder wirft dir ein Schimpfwort an den Kopf und spürst Ärger in dir aufsteigen. Erst einmal tief durchatmen. Und dann frag dich zwei Dinge: 1. Warum berührt mich ausgerechnet dieses Schimpfwort/ diese Aussage so? Glaube ich dass da was dran ist? 2. Warum bockt es mich überhaupt, was dieser fremde Mensch von mir denkt? Dich von Fremden beleidigen zu lassen ist nämlich so ziemlich das unnötigste überhaupt. Dieser Mensch kennt dich nicht, er kann also nicht wissen, wie es wirklich ist. Also schmeiß deine Gedanken über Bord und konzentriere dich mehr darauf, wie du über dich selbst denkst. Nämlich hoffentlich gut.
  • Bedeutung anpassen
    Des weiteren kannst du dir in so einer Situation immer sagen: Er hat es gar nicht als Beleidigung gemeint. Suche alternative Gründe, warum er das gesagt haben könnte. Vielleicht aus eigenen persönlichen Gründen oder vielleicht war es gar keine richtige Beleidigung. Da du die Wahrheit über die Beweggründe niemals sicher kennen wirst, macht es mehr Sinn an die Variante zu glauben, mit der du dich am Besten fühlst.
  • Darüber reden
    Ein Freund/ Familienmitlied/ etc. beleidigt dich. Stell am Besten erst einmal klar, ob er/sie das böse gemeint hat. Wahrscheinlich nämlich nicht. Falls doch dann versuche herauszustellen warum er das so sieht. Dann könnt ihr für das gemeinsame Miteinander vielleicht Regeln aufstellen und versuchen in Zukunft besser miteinander umzugehen. Frag dich außerdem wieder, warum dir ausgerechnet diese Beleidigung so zu Herzen geht. In diesem Fall, wenn jemand so etwas zu dir sagt, der dich gut kennt, dann könnte da durchaus etwas dran sein. Beleidigt fühlen sollst du dich wiederum trotzdem nicht.
  • Entscheidung treffen
    Versuche später in beiden Fällen in Ruhe herauszufinden, ob deiner Meinung nach an der Aussage etwas dran ist. Wenn du dich davon angegriffen fühlst, dann ist es wahrscheinlich, dass es eine Sache ist, die du gerne ändern möchtest. Dann triffst du eine Entscheidung. Entweder du entscheidest dich dafür damit zu leben und stehst in Zukunft dazu, fühlst dich also auch nicht mehr beleidigt oder du änderst etwas an der Sache. Wenn das dann wieder angesprochen wird kannst du sagen: „Ja du hast recht, das stört mich selbst. Ich arbeite daran.“ und fühlst dich gut.

Besonders dann, wenn du herausgefunden hast, auf welche Aussagen und Beleidigungen du im speziellen empfindlich reagierst, kannst du dir Strategien zurecht legen, mit denen du langfristig daran ändern kannst und viel besser darauf reagieren, wenn diese Aussage auf den Tisch kommt.

Wann bringen Beleidigungen und Angriffe dich so richtig auf die Palme und wie gehst du damit um? Hinterlass einen Kommentar, ich bin gespannt auf deine Nachricht. 🙂

Sei du selbst und geh deinen Weg!

 


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Kommentar

Marc | am 13.März 2016 um 15:32 Uhr

Der Artikel gefällt mir sehr gut. Allerdings finde ich die grundlegende Stoßrichtung etwas zu „pazifistisch“.

Ich finde es durchaus legitim, sich beleidigt zu fühlen. Es hat ja auch einen soziologischen Nutzen (OMG – klingt das abgefahren 😀 ) – Wie soll man sich psychologisch von Menschen abgrenzen, die einem „schaden“?

Ich finde, man sollte durchaus mal die beleidigte Leberwurst spielen dürfen. Aber ich bin völlig d’accord mit Dir, dass man es dann auch wieder gut lassen sein sollte 🙂

Christina Schindler | am 13.März 2016 um 15:41 Uhr

Hi Marc,

wenn du mit dem Verhalten einer Person unzufrieden bist kannst du das ansprechen oder der entsprechenden Person den Rücken kehren, wie du ja schon angemerkt hast, das wäre beides konsruktiv. Beleidigt zu sein finde ich allerdings nicht so konstruktiv, weil es die Situation nicht löst. Du schadest dir damit nur selbst aber es ändert sich damit nichts am Verhalten deines Gegenübers. Den soziologischen Nutzen sehe ich da ehrlich gesagt nicht, ich würde mich aber freuen wenn du mir das genauer erklärst. 🙂

Alles Liebe
deine Tina

Maha | am 6.Juni 2016 um 22:29 Uhr

Ich finde, Marc hat schon Recht.
Beleidigt sein und konstruktiv damit umgehen schließen sich ja nicht aus. Im Gegenteil. Wenn man im Vorhinein nicht beleidigt ist, tut man ja dann auch nichts damit. Dann wäre einem alles wurst und man wäre kein soziales Wesen mehr. Nur weil man nachher versucht, etwas Positives daraus zu machen oder besser damit umzugehen, ändert das nicht daran, dass man ursprünglich eben doch ein bisschen beleidigt ist und man sollte sich das auch nicht vollkommen als nutzlos absprechen und somit seine Gefühle verleugnen. Außerdem reagieren manche Menschen tatsächlich auch ganz gut darauf, wenn man mal eine beleidigte Leberwurst ist. Nicht jeder reagiert immer darauf, wenn man sachlich anspricht, was beleidigend war, wie das gemeint war, was man selbst findet, etc. Manche machen dann einfach weiter, weil sie die saftige, emotionale Reaktion brauchen, um zu begreifen. Der Mensch ist nun einmal ein emotionales Wesen und will das auch ausdrücken. Wenn man dann nicht verstanden wird, kann man ja immer noch den Rücken kehren oder die Strategien anwenden.
Der gewollte Fall sollte aber doch sein, dass man ohne Selbtmanipulation und Beherrschung so agieren kann, wie man es fühlt und trotzdem akzeptiert wird. Wenn das nicht klappt, dann kann man immer noch mit Techniken nachjustieren. Ich würde also sagen: Beleidigt sein hat einen Nutzen, solange man sich dem Zustand nicht machtlos ausgeliefert fühlt, weil er zu stark ist oder nicht auf Verständnis stößt.

Ein bisschen spricht doch aus all diesen Techniken, wie man mit diesem und jenem umgeht, eine gewisse Verdrossenheit, dass negative Gefühle einfach keinen Nutzen haben und man aus allem etwas Konstruktives schlagen muss. Ab einer gewissen Dimension haben schlechte Gefühle wirklich nichts mehr. Allgemein würde ich das aber nie unterschreiben.
Beleidigt sein hat auch den Nutzen, dass es einen Menschen zur Handlungsänderung bewegt. Niemand arbeitet an sich, weil er ganz sachlich befindet, dass das Gegenüber Recht mit seiner Kritik hat. Er muss schon ein bisschen die Beleidigung spüren, um was tun zu wollen. Und wenn die Beleidigung nur der Beleidigung allein dient und unbegründet ist, dann muss er auch das spüren, um sich dem Einfluss dieser Person zu entziehen. Man kehrt niemandem den Rücken zu, weil man das ganz rational für richtig hält. Dazu gehört auch immer ein Gefühl.
Beleidigt sein ist klasse. Es zeigt die eigenen Grenzen zum anderen auf. Es lebe die beleidigte Leberwurst! 🙂 Man sollte auch hier nicht so hart mit sich ins Gericht gehen, wir sind nun einmal fühlende Menschen. Jemanden, der beleidigt wird, auch noch die Verantwortung dafür zuzusprechen, beleidigt zu sein, ist ja so sinnig, wie jemandem, der angeschossen wird, zu sagen, er solle nicht bluten. Dass man sich dann verarzten sollte, anstatt liegen zu bleiben, ist was anderes. Und das manchen Menschen am Arsch vorbeigeht, was andere sagen, kann nicht nur bedeuten, dass sie so selbstbewusst sind, sondern auch, dass ihnen andere Menschen egal sind oder sie sich vor ihren eigenen negativen Gefühlen fürchten. Man muss sich ja nicht immer drin baden, aber ein bisschen beleidigt sein, ist einfach menschlich und gut, wie jedes andere Gefühl, solange es nicht zu viel wird.
Ich finde der Artikel sollte nicht versprechen, sich nie wieder beleidigt zu fühlen. Besser wäre: „Wie man mit Beleidigung kontruktiv umgehen kann“ Das steht ja auch letztendlich drin und da sind sich wieder alle einig, denke ich.

Christina Schindler | am 6.Juni 2016 um 23:08 Uhr

Hi Maha,

danke für deinen Beitrag, du hast dir wirklich Gedanken darüber gemacht. Ich finde natürlich auch, dass man konstruktiv mit Kritik umgehen kann und sollte. Allerdings bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass man sich schlecht fühlen sollte, nur weil eine andere Person einem irgendetwas an den Kopf wirft.

Gefühle sind auch erst einmal nicht gut oder schlecht, es kommt ja immer darauf an, wie du selbst sie bewertest. In der Regel hat jedes Gefühl auch einen positiven Nutzen. Trotzdem kann man auch dann an sich arbeiten, oder einem Menschen den Rücken kehren, wenn man es für sinnvoll hält, ohne sich deswegen schlecht zu fühlen.
Was mich an deiner Aussage ehrlich gesagt ein bisschen stört, ist dass du sagst es würden manche Menschen nicht an sich arbeiten, wenn sie sich nicht beleidigt fühlen würden. Aber woher nimmt denn der beleidigende Mensch das Recht, der anderen Person vorzuschreiben, wie sie sein und sich verhalten soll?

Ich bin der Meinung, dass man sich ausschließlich dann ändern und an sich arbeiten sollte, wenn man es selbst für sinnvoll hält und die Dinge beibehalten, die man auch behalten will unabhängig davon, was andere davon halten. Denn nur das ist emotionale Freiheit. Und emotionale Freiheit bedeutet für mich auch, dass man sich nicht Gefühle von anderen „einpflanzen“ lässt. Somit ergibt sich auch das Ziel sich nie wieder beleidigt zu fühlen.

Angeschossen zu werden bewirkt eine Schusswunde, die nun einmal da ist und nicht wegzudenken. Das ist ein körperlicher Übergriff dessen man sich nicht erwehren kann. Deine Gefühle aber erzeugst nur du selbst, durch deine Reaktion auf die Umwelt und deine eigenen Gedankengänge. Somit ist das kein vergleichbarer Vorgang. Du musst dich überhaupt nicht irgendwie fühlen, egal was dein Gegenüber sagt. Wenn du das verstanden hast dann wirst du feststellen, wie viel Macht du tatsächlich über dich selbst und dein Leben hast.

Alles Liebe
deine Tina

Maha | am 7.Juni 2016 um 19:00 Uhr

Liebe Christina,

ich glaube, da hast du mich nicht ganz verstanden bzw. ich mich nicht eindeutig genug ausgedrückt. Du schreibst da einige Dinge, die nicht ganz auf das eingehen, was ich gemeint habe. Also, nehme ich an, dass es entweder nicht wie gemeint angekommen ist, oder wir teilweise unterschiedlicher Meinung sind, was auch okay ist, aber jetzt noch nicht ganz eindeutig. Zumindest nicht für mich.

1.) Du schreibst:
„Allerdings bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass man sich schlecht fühlen sollte, nur weil eine andere Person einem irgendetwas an den Kopf wirft. Gefühle sind auch erst einmal nicht gut oder schlecht, es kommt ja immer darauf an, wie du selbst sie bewertest. In der Regel hat jedes Gefühl auch einen positiven Nutzen. “

Wenn du zuerst sagst, dass man sich nicht „schlecht“ fühlen sollte, ist das etwas unspezifisch, schließlich habe ich versucht zu verdeutlichen, dass man sich durchaus beleidigt fühlen darf. Die Wertung des Gefühls hast somit du vorgenommen. Ich setze „beleidigt sein“ eben nicht mit „schlecht“ gleich. Vielleicht liegt hier schon der entscheidende Unterschied oder das Missverständnis. Also, stimme ich dir zu: Es kommt immer darauf an, wie man selbst die Gefühle bewertet. Ich folgere Mal daraus, dass du für dich „beleidigt“ eben als „schlecht“ bewertest und das wird auch in Ordnung sein. Ich glaube, gerade wenn man oft beleidigt wurde und es den/die Verursacher nicht interessiert oder gar gefreut hat, wenn man sich dann auch beleidigt gezeigt hat, kann es gut sein, Strategien zu haben, dem Gefühl zu entgehen. Das wird möglicherweise auch der Antrieb sein, warum Menschen solche Strategien entwickeln. Wobei ich auch hier sagen würde, dass man eben doch erst beleidigt ist und mit den Strategien eben dann verhindert, dass man sich deswegen dauerhaft schlecht fühlt. Das sind für mich einfach zwei verschiedene Dinge. Somit war es ursprünglich wieder die Beleidigung die den Antrieb für die Entwicklung (Strategien) gegeben hat.
Daraus ergibt sich aber nicht Folgendes:

2.)Du schreibst weiter:
„Was mich an deiner Aussage ehrlich gesagt ein bisschen stört, ist dass du sagst es würden manche Menschen nicht an sich arbeiten, wenn sie sich nicht beleidigt fühlen würden. Aber woher nimmt denn der beleidigende Mensch das Recht, der anderen Person vorzuschreiben, wie sie sein und sich verhalten soll?“
Ich habe mich da nicht zu hundert Prozent eindeutig ausgedrückt, als ich schrieb „Niemand arbeitet an sich, weil er ganz sachlich befindet, dass das Gegenüber Recht mit seiner Kritik hat. Er muss schon ein bisschen die Beleidigung spüren, um was tun zu wollen.“
Damit meinte ich den konkreten Fall einer berechtigten Kritik, die hinter einer Beleidigung oder dem Gefühl der Beleidigung versteckt sein kann. Da es die ganze Zeit um Beleidigung ging, dachte ich, das wäre ausreichend, es so zu schreiben. Ich meine damit nicht, dass man sich nicht ändern kann, ohne beleidigt zu werden. Das kann man natürlich und wäre wünschenswert, wenn man sich nun einmal ändern will. Aber weil Marc den soziologischen Nutzen angesprochen hat, dachte ich an Situationen, wo jemand nichts an sich ändern möchte, weil es nun mal bequem ist, weil es so funktioniert und zum eigenen Nutzen ist und manchmal auch zum Schaden anderer. Da ist es soziologisch sinnvoll, wenn man sich auch etwas beleidigt fühlt, was die Person dazu zwingen kann, eine bequemere Haltung aufzugeben. Du beschreibst es im Grunde selbst in deinem Artikel und die Strategie wäre dann „Ja du hast recht, das stört mich selbst. Ich arbeite daran.“ Damit man aber dahin kommt, ist für mich auch die aufwühlende Emotion nötig oder die Erkenntnis. Das muss nicht immer sein, aber ich habe es eben schon oft in verschiedenen Konstrukten erlebt, dass langes Reden nichts brachte, bis mal jemand auf den Tisch gehauen war, ein anderer beleidigt und dann gab’s doch eine Einigung, wo vorher langes Reden nichts brachte. Das Gefühl „beleidigt“ sein, hat in dem Fall ja auch was mit „Scham“ zu tun. Man muss sich eben selbst fragen, ob man sich auch tatsächlich für das schämen muss, womit man beleidigt wurde. Wenn nicht, alles in Butter, wenn schon, Änderung.
Und ich schreibe ja auch über „manche“ Menschen und nicht alle, wie du selbst zitierst. Für manche Mensche ist das eben so, bei mir zB. schon ein, zwei Mal, das muss ja nicht heißen, dass es bei allen oder bei dir so ist, ergo weiß ich nicht, wieso dich die Aussage stört.

„Aber woher nimmt denn der beleidigende Mensch das Recht, der anderen Person vorzuschreiben, wie sie sein und sich verhalten soll?“

Gegenfrage: Woher nimmst du das Recht, einem Menschen der beleidigt wurde, vorzuschreiben, wie er sich dann fühlen soll und ob das einen Nutzen hat, dass er sich so fühlt oder nicht? Ich sage nun einmal, es hat oft einen soziologischen Nutzen (nicht immer!). Damit sage ich nicht, dass der beleidigende Mensche das Recht hat, einer anderen Person vorzuschreiben, wie sie sein und sich verhalten soll. Er versucht es aber mit einer Beleidigung bewusst oder unbewusst. Eine Beleidigung, wenn sie nicht gänzlich aus Versehen geschah und beiläufig einen wunden Punkt traf, hat immer den Zweck, etwas beim Gegenüber zu bewirken. Ob das nun gerechtfertigt ist oder nicht, entscheidet die beleidigte Person selbst, wie du auch beschreibst. Wenn es ihr nicht berechtigt vorkommt, hat sie ja immer noch die Möglichkeit, die Sache abzuhaken oder auch beinhart zu sagen „Stimmt, ist aber nicht mein Problem.“

Ich glaube, hier herrscht auch eine gewisse Unklarheit über die Art der Beleidigung, die Personen, von denen sie ausgeht, etc. Du schreibst ja auch über „irgendetwas an den Kopf werfen“. Das ist natürlich nicht die Art von Beleidigung, die einen Menschen zu einer Handlungänderung bewegen sollte. Man müsste ja von Fall zu Fall alles aufschlüsseln, ganz allgemein wollte ich aber einfach nicht den Nutzen des Gefühls der Beleidigung in verschiedenen Fällen absprechen.

3.) Sooo. Der Rest ist für mich etwas zu allgemein bzw. zu dogmatisch, wenn ich das so ausdrücken darf. Hier sind wir einfach nicht einer Meinung. Aber es ist auf jeden Fall ein interessantes Thema.
Ich glaube, vollkommene emotionale Freiheit ist eine Illusion, wie fast alles, was vollkommen ist. Man kann vielleicht emotional freiER sein, aber nicht ausschließlich. Deswegen ändert man sich immer auch aus Gründen, die im Außen liegen. Und dieses Außen beinhaltet eben auch Menschen. Das ist ein Überlebensstrategie, die funktioniert, wenn sie funktioniert 😉 Da wo sie belastet, weil man sich zu sehr anpasst, muss natürlich genauer hingesehen werden.
Wieder dummes Beispiel: Mein Gegenüber will etwas von mir, was ich nicht machen will, ist aber in der mächtigeren Position. Das kommt auch heutzutage noch vor. Ich kann mich anpassen, um zu „überleben“ oder riskieren, dass ich mit erheblichenn Konsequenzen zu rechnen habe. Das klingt dramatischer als es sein muss, ist aber für viele Alltag in der Arbeitswelt oder für Kinder, die nun einmal noch nicht über ihr eigenes Leben vollständig bestimmen können und somit ein Stück ausgeliefert sind (sei es dem Lehrkörper, Mitschülern, Eltern, wem auch immer). Auch Beziehungen stellen permanente Kompromisse dar, die nicht immer vollständig freiwillig, emotional unabhängig getroffen werden können. Es stellt sich eben immer die Frage, wieviel einem die Beziehung, die Person wert ist und was man bereit ist zu tun und ob dies schon eine Selbstverleugnung oder nur eine Anpassung darstellt.
Ich hoffe, ich habe das jetzt nicht so formuliert, dass es aussieht, als würde ich meinen, dass man nicht sehr wohl auf die eigenen Grenzen, den eigenen Will, den eigenen Selbstwert achten muss. Ich glaube einfach nicht, dass man irgendwann auch nur irgendwie tatsächlich emotional unabhängig ist. Dann wäre man kein soziales Wesen mehr… was in manachen Kreisen dem Psychopathen gleichgeschrieben wird, hihi.

„Deine Gefühle aber erzeugst nur du selbst, durch deine Reaktion auf die Umwelt und deine eigenen Gedankengänge.“
Meine Reaktion auf die Umwelt beinhaltet per se ja schon, dass es nicht mehr ausschließlich meine eigenen Gedankengänge sind. Oder wolltest du etwas anderes sagen? Ich glaube auch nicht, dass man seine Gefühle NUR selbst erzeugt. Dann wäre man eben von der Umwelt abgeschnitten. Man kann sie selbst mehr beeinfluss als andere und neu bewerten, aber ursprünglich erzeugt wird alles aus dem Außen. Das fängt ja schon an, wenn man im Mutterleib zusammengebastelt wird und auf die Emotionen der Mutter reagiert, weil man an ihr endokrines System angeschlossen ist, hört, spürt. Danach sollte man natürlich immer unabhängiger werden, aber nicht gänzlich von allem unabhängig. Das ist evolutionär sogar nötig für das Großziehen von Kindern, dass von Empathie und emotionaler Abhängigkeit auch den Kindern gegenüber getragen wird. Ich würde es einfach nicht als Abhängigkeit bezeichnen, weil das anscheinend zu negativ besetzt ist, wenn ich das richtig deute. Man ist eben verbunden. Ganz real. Nicht spirituell oder sonst wie. Ich finde die Schusswunde dazu kein schlechtes Beispiel, auch die erzeugt „Gefühle“ 😉

Dann kehrst du wieder zum Ursprungsthema zurück:

„Du musst dich überhaupt nicht irgendwie fühlen, egal was dein Gegenüber sagt.“
Eh. Müssen nicht, aber dürfen, können und manchmal mit Nutzen dahinter.

„Wenn du das verstanden hast dann wirst du feststellen, wie viel Macht du tatsächlich über dich selbst und dein Leben hast.“
Du schreibst mich mit „du“ an, also gehe ich auch persönlich darauf ein.
Ich habe verstanden, was du mir sagen willst. Aber das heißt nicht, dass ich es unterschreiben würde. Und es heißt auch nicht, dass ich keine Macht über mich selsbt und mein Leben habe. Eigentlich empfinde ich es so, dass ich unfassbar große Macht über mein Leben habe, habe es auch immer so empfunden. Wesentlich mehr als andere Menschen, die teilweise durch äußere Umstände, teilweise durch „innere“ Umstände wenig mächtig sind oder sich so fühlen. Ich sehe nur, dass ich in eine Welt eingebettet bin, die mich beeinflusst und mich mitfühlen lässt. Ich fühle etwas, wenn ich hier mit dir schreibe und was ich zuvor geschrieben habe, hat etwas in dir ausgelöst und du schreibst ja auch, dass meine Aussage dich stört. Das heißt nicht, dass ich mich irgendwie fühlen „muss“. Es heißt aber auch nicht, dass ich meine Gefühle nur selbst erzeuge.
Und da frage ich doch ganz frech, wenn ich darf: Wieso hast du das Ideal der emotionalen Unabhängigkeit für dich entdeckt? Und wie kommst du darauf, dass man es braucht, um Macht über sein Leben zu haben? Oder meinst du einfach, so emotional unabhängig wie möglich und es kommt mir zu absolut rüber?
du versucht ja auch hier mit deinem Blog Einfluss auf andere zu nehmen und denkst, dass er positiv ist, aber Einfluss ist Einfluss. Es ist also ein Spiel irgendwo in der Mitter und nicht ganz oder gar nicht, würde ich sagen.

Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass unsere Meinungen nur auf den ersten Blick so unterschiedlich sind. Jeder hat eben andere Erfahrungsschätze. Ich kannn mir zum Beispiel vorstellen, dass wenn man von Personen beleidigt wurde, denen die beleidigte Reaktion wurst oder sogar Recht war, Abwehrstrategien braucht und dann das Gefühl einfach ablehnt, weil es tatsächlich nur negativ besetzt war. Dann würde ich auch das Prinzip der emotionalen Unabhängigkeit verstehen, auch wenn ich glaube, dass es eben nur ein Prinzip und keien Absolutheit sein kann aus den oben genannten Gründen. Aber du scheinst damit gut zu fahren und es scheint dich zu inspirieren. Das finde ich schon mal gut und beeindruckend.
Sag mal, kommt das aus der NLP-Richtung? Kenne mich da nicht aus, aber es erinnert mich an einen NLP-Vortrag, den ich mal gehört habe.
Ich will dir nicht zu Nahe treten. Ich bin genauso kein Guru wie du und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Aber es ist eben kein einfacher Smalltalk und sehr spannend. Grundsatzfragen über das menschliche, soziale Sein *besonders gescheit kling*. Yumm, yumm.

Sehr spannend, das alles. 🙂
Sorry für etwaige Rechtschreibfehler, hab keine Zeit mehr, Zug. Hat mich sehr gefreut. Gruß.

Christina Schindler | am 18.Juni 2016 um 15:33 Uhr

Hi Maha,

ja, so wie ich „beleidigt sein“ deifiniere ist es ein unangenehmes Gefühl. Wenn man sich nicht schlecht fühlt wegen einer Beleidigung, dann ist es meiner Meinung nach nicht beleidigt sein.
Desweiteren bewerte ich dieses Gefühl als negativ, weil es selten zu kontstruktiven Handlungen führt. Beleidigt sein fühlt zu einer verminderung des Selbstwertes, zu Abwehr- und Trotzhandlungen und ähnlichem. Das halte ich nicht für sinnvoll, wer es für sinnvoll hält, dem steht es aber natürlich frei sich weiterhin beleidigt zu fühlen.
Ich denke aber nicht daran, dieses Gefühl anfänglich zu haben und dann zu unterdrücken oder ähnliches, das wäre nicht zielführend in meinen Augen. Mir geht es darum die eigene Einstellung zu solchen Dingen zu verändern, so dass man sich von vornherein nicht beleidigt fühlt. Denn dieses Gefühl kommt ja hauptsächlich daher, weil man etwas auf die eigene Person bezieht und unterbewusst erst einmal als Wahrheit annimmt.
Doch dieses unterbewusste Denken lässt sich langfristig verändern. Das Ziel ist dann allen Aussagen die über die eigene Person getroffen werden erst einmal eine neutrale Stellung zu verleihen, also ohne vorher beleidigt zu sein und dann erst kontruktiv und rational über den Inhalt, den Wahrheitsgehalt und die möglichen Folgen bzw. Reaktionen nachzudenken. In diesem Skript ist es überhaupt nicht von Nöten sich beleidigt zu fühlen.

Grundsätzlich nehme ich mir nicht das Recht heraus meinen Lesern zu sagen wie sie sich fühlen sollen. Ich gebe ihnen eine von vielen möglichen Lösungswegen für ein Problem, welche bei mir in der Praxis funktioniert hat. Auch das beschreibe ich gerne in meinen Artikeln, dass sich natürlich jeder selbst Gedanken darüber machen muss, welche dieser Lösungen für ihn selbst funktionieren und welche nicht.
Dein Ansatz was das bewirken einer Verhaltensänderung betrifft ist für meinen Geschmack einfach zu utilitaristisch. Niemand sollte sich ändern, weil dessen Verhalten anderen Personen nicht gefällt. Um nochmal auf die Änderung zurück zu kommen: Ein Mensch sollte eine eigene Verhaltensweise ausschließlich dann ändern, wenn ihm selbst auffällt, dass sein Verhalten ihm selbst nicht gefällt bzw. es für ihn negative Auswirkungen hat. Ich nehme aus dieser Definition einmal körperlich verletzende Handlungen komplett raus, das ist nochmal ein ganz anderes Thema.
Aber knapp ausgedrückt, bringt es das auf den Punkt. Nicht ein Mensch und auch nicht eine ganze Gruppe von Menschen hat in meinen Augen das Recht einer einzelnen Person vorzuschreiben wie sie sich verhalten soll. Es besteht also keinerlei Notwendigkeit darin jemanden zu beleidigen um ihn zu einer Verhaltensänderung zu bringen. Wenn du das anders siehst ist das natürlich deine Sache. Ich hoffe deine Fragen diesbezüglich erklären sich durch meine Ansicht hierzu.

Selbstverständlich ist es ein Anliegen emotional freier zu werden. Ebenso wie es ein Anliegen ist glücklicher zu werden, niemals einfach glücklich. Weil es dafür überhaupt keine haltbare Definition gibt. Weil es nirgends auf der Welt und auch sonstwo Perfektion gibt. Weil das Leben sinnlos wäre wenn wir nicht noch höhere Ebenen anstreben würden.
Trotzdem machst du nur selbst deine Gefühle. Die Außenwelt kann faktisch keine Emotionen in dir auslösen. Das ist nicht möglich. Alles was von außen an deine Sinnesorgane herangetragen wird, wird zunächst einmal gefiltert, verglichen und bewertet und erst dann nimmst du es wahr. Ein bestimmtes Lied zum Beispiel bringt dich nicht zum Weinen. Deine Erfahrungen, die du mit dem Lied verknüpfst und viele andere Faktoren bringen dich zum weinen. Du bringst dich zum Weinen. Wenn du eine andere Person wärst, würde eben das selbe Lied, der selbe äußere Einfluss dich nicht im geringsten Kratzen. Deine Emotionen erzeugst du und nur du allein.

Deine Aussage hat mich nicht gestört. Um es unmissverständlich auszudrücken hätte ich wohl eher schreiben sollen: Ich habe mich an deiner Aussage gestört. Denn auch hier gilt, ich habe den Ärger selbst erzeugt. Es hätte mir auch egal sein können.
Emotionale Unabhängigkeit ist für mich so wichtig, weil ich in meinem Leben die Erfahrung gemacht habe, dass man sich häufig schlecht fühlt und sich selbst behindert wenn man sich von anderen bestimmen lässt und immer nur reagiert statt selbst zu agieren. Denn emotionale Freiheit gibt mir auch die Fähigkeiten mein Leben und meinen Alltag so zu gestalten wie ich das möchte. Und glücklich sein und mich gut fühlen ist für mich, wie auch für viele andere Menschen, ein wichtiges Streben. Dieses erreiche ich indem ich meine Emotionen selbst frei reguliere.

Ja ich beschäftige mich auch mit NLP, deshalb ist der Einfluss auf meine Artikel natürlich nicht zu leugnen. 😀 Ich bin allerdings kein Fan von einer einzigen Richtung oder Praktik, sondern informiere mich in allen Richtungen, probiere viel aus und setze mir das für mich passende zusammen, was ich übrigens auch allen meinen Lesern rate.

Ich nehme deine Kommentare nicht persönlich, keine Sorge. Ich finde es sogar sehr erfrischend eine kleine Diskussion über ein solches Thema zu führen. Und wenn jemand anderer Meinung ist als ich, warum nicht, dann nur her damit. Also Dankeschön. 🙂
Ich hoffe deine Fragen sind damit soweit beantwortet, obgleich man aus der gesamten Thematik eine riesengroße Grundsatzdiskussion machen könnte.

Alles Liebe
deine Tina