Marienkäfer

Persönliche Stärken finden und einsetzen – Artikelserie: Positive Psychologie

Kennst du deine persönlichen Stärken? Und setzt du diese auch ein? Wahrscheinlich nicht so sehr, wie du könntest. Den meisten Menschen fällt es schwer zu beschreiben, wo die eigenen Stärken liegen. Aber das kannst du ändern.

Wenn ich mich gefragt habe wo meine Stärken liegen fühlte ich mich meistens als ob ich in der Wüste stehe. Irgendwie kam mir da einfach nicht so wirklich was in den Sinn.

Das geht vielen Menschen so. Möglicherweise liegt das daran, dass sich in unserer Gesellschaft hauptsächlich auf die Schwächen konzentriert wird.

Zum Beispiel in der Schule, da bekommen wir schlechte Noten und sollen dann an genau diesen Dingen arbeiten. Aber eher selten hört man da: „Das kannst du wirklich gut, du solltest diese Fähigkeit besser in anderen Bereichen einsetzen.“ Dabei bringt die Konzentration auf persönliche Stärken so viel mehr.

Persönliche Stärken finden

Nun, wie findet man aber eigentlich persönliche Stärken? Auf jeden Fall musst du dich ein wenig mit dir selbst beschäftigen, daran führt leider kein Weg vorbei.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die du nutzen und kombinieren kannst um deine Fähigkeiten und Stärken zu identifizieren.

Einfach so aus dem Handgelenk ein paar Stärken zu schütteln kann ganz schön schwierig sein, denn was sind denn eigentlich persönliche Stärken? Deshalb fällt es leichter die eigenen Stärken zu entdecken, wenn man sie kategorisieren kann.

Das folgende Modell eignet sich meiner Meinung nach sehr gut, um die wichtigsten Stärken finden zu können. Es teilt die verschiedenen Stärken in 6 Kategorien ein.

Weisheit und Wissen

  • Kreativität
    Unkonventionelle und neue Wege gehen.
  • Urteilsvermögen
    Fakten betrachten und Situationen möglichst Objektiv beurteilen.
  • Neugier
    Begeisterung und Interesse für neue Dinge aufbringen, Erfahrungen sammeln.
  • Lerneifer
    Wissensdurst und der Wunsch Dinge zu verstehen.
  • Perspektive
    Verschiedene Perspektiven einnehmen, Blickwinkel anderer Personen verstehen.

Mut

  • Tapferkeit
    Sich Widerständen stellen und beharrlich bleiben.
  • Durchhaltevermögen
    Bis zum Ende einer Aufgabe durchhalten und alles nötige tun.
  • Integrität
    Zu den eigenen Werten stehen und dementsprechend handeln.
  • Begeisterung
    Voller Elan für (neue) Dinge engagieren, Spaß an der Sache haben.

Liebe

  • Intimität
    Enge Beziehungen zu Menschen pflegen, tiefe Gefühle hegen.
  • Güte
    Großzügig und gut zu anderen Menschen sein, sich um sie kümmern.
  • Geselligkeit
    Gesellschaft anderer schätzen, sich in Gemeinschaften einbringen.

Gerechtigkeit

  • Verantwortungsgefühl
    Beiträge leisten und Loyalität der Gemeinschaft gegenüber.
  • Fairness
    Ohne Vorurteile betrachten, unparteiisch sein.
  • Führung
    Richtungen vorgeben und organisieren, andere motivieren.

Mäßigung

  • Vergebungsbereitschaft
    Bereitschaft anderen zu Vergeben und weitere Chancen zu geben.
  • Demut
    Bescheiden sein und nicht prahlen.
  • Vorsicht
    Unnötige Risiken vermeiden.
  • Selbstkontrolle
    Gefühle und Verhaltensweisen an die Situation anpassen.

Transzendenz

  • Wertschätzung
    Das Gute in allen Bereichen schätzen können.
  • Dankbarkeit
    Für Gutes dankbar sein, anderen Menschen Dankbarkeit entgegen bringen.
  • Optimismus
    Positiv und Hoffnungsvoll denken und handeln.
  • Humor
    Andere Menschen zum lächeln bringen, das komische in allem sehen.
  • Spiritualität
    Glauben an einen höheren Sinn.

Du kannst deine Stärken in den verschiedenen Bereichen einmal selbst einschätzen, zum Beispiel jeweils auf einer Skala von 1-10.

Es lohnt sich aber auch Freunde und Bekannte nach den eigenen Stärken und vielleicht Schwächen zu fragen, da diese uns meistens ganz anders betrachten, als wir selbst.

Persönlichkeitstests

Ergänzend lohnt es sich auch einige Persönlichkeitstests zur Unterstützung zu machen. Die Ergebnisse können die eigenen Beobachtungen gut ergänzen und abrunden.

Bekannte Persönlichkeitstests sind zum Beispiel der Big Five oder das DISC-Persönlichkeitsmodell. Es gibt aber noch eine Menge anderer Tests, die manchmal mehr und manchmal weniger sinnvoll sein können.

Hier lohnt es sich einmal nach „Persönlichkeitstest“ zu googlen und ein paar Tests zu machen. Die Ergebnisse kannst du dann in einer Excel Tabelle oder einer Liste zusammentragen und auswerten.

Schwächen in Stärken wandeln

Bei der Betrachtung der obigen Liste und beim Ausführen der Tests sind sicher auch ein paar Schwächen aufgetaucht.

Jeder Mensch hat natürlich Schwächen, das ist erst einmal nichts schlimmes. Meistens ist es auch so, dass eine Schwäche gleichzeitig eine Stärke in einem anderen Bereich darstellt und anders herum.

Wichtig ist herauszufinden, ob deine Schwächen dein Leben negativ beeinflussen. Einige Schwächen beeinträchtigen dein Leben und deinen Erfolg überhaupt nicht. An diesen brauchst du auch nicht unbedingt zu arbeiten, das wäre wahrscheinlich reinste Kraftverschwendung.

Andere Schwächen wiederum können dich daran hindern erfolgreich und glücklich zu sein, weshalb du an ihnen arbeiten solltest. Versuche all die Schwächen, die du gefunden hast dahingehend zu bewerten, ob sie dir im Weg stehen, oder ob sie dein Leben überhaupt nicht beeinflussen.

Deine Schwächen zu Stärken zu machen funktioniert wie fast alles einfach nur durch Übung. Du kannst üben tapfer oder mitfühlend zu sein oder lernen, deine Gefühle besser zu kontrollieren.

Wie immer solltest du keine Ergebnisse über Nacht erwarten. Das kann viel Zeit und Kraft in anspruch nehmen. Es ist grundsätzlich leichter, Stärken zu  verbessern, als an den Schwächen zu arbeiten.

Wenn du deine größten Stärken ausgemacht hast, dann kannst du diese auch nutzen, um an deinen Schwächen zu arbeiten. Bist du zum Beipsiel sehr kreativ, dann fallen dir viele Wege ein, wie du deine Schwächen trainieren kannst.

Hast du Durchhaltevermögen dann wirst du weiter machen, bis deine Schwächen zu Stärken geworden sind. Bist du sehr Mitfühlend, dann wird dich deine Selbstliebe nicht verlassen, wenn mal etwas nicht so gut klappt.

Stärken einsetzen

Wichtig ist es aber nicht nur, die eigenen Stärken zu kennen, sondern natürlich auch sie einzusetzen. Wenn du deine Stärken ausgemacht hast ist das eigentlich gar nicht mehr so schwer.

Fast jede deiner Stärken kannst du bei allen möglichen Aufgaben einsetzen. Kreativität bedeutet nicht bloß etwas tolles zu gestalten, sondern in jedem Bereich des Lebens neue Wege zu gehen, die einen ans Ziel führen können.

Jede Stärke, die eine positive Bindung zu andern Menschen ermöglicht und vertieft, ermöglicht gleichzeitig auch eine positive Bindung zu dir selbst. Du kannst dein Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein stärken, indem du gut mit dir selbst umgehst, was wiederum positive Auswirkungen auf all deine Lebensbereiche haben wird.

Stärken im Bereich Weisheit und Wissen helfen dir den Umgang mit deinen Schwächen zu erlernen. Mut wird dir helfen für dich einzustehen und dein Vorhaben gegen alle Widerstände umzusetzen.

Beim Finden und auch beim Entwickeln und Einsetzen deiner persönlichen Stärken kann dir ein Reflektionstagebuch helfen. Darin hältst du täglich fest, welche Stärken du heute bei verschiedenen Tätigkeiten eingesetzt hast und wie du sie sonst noch einsetzen kannst.

Hast du deine persönlichen Stärken gefunden und kannst du sie auch einsetzen? Schreib mir doch einen Kommentar. 🙂

Hier findest du die weiteren Beiträge der Artikelserie
Vergangenheit aufarbeiten
Hier und Jetzt
Optimistisch in die Zukunft
Sinn im Leben
Self-Image
Funktionierende Beziehungen

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Kommentar

Bine | am 4.Februar 2015 um 15:08 Uhr

Huhu,

toller Beitrag! Wer kennt das nicht, dass er beim Bewerbungsgespräch bei der Frage nach persönlichen Stärken und Schwächen auf einmal nicht weiß, was er sagen soll!? Ich auf jeden Fall!

Und den Persönlichkeitstest finde ich klasse! Hab ich grad gemacht und ich glaube, mein Ergebnis ist recht gut. 🙂

Danke!

Liebe Grüße, Bine

chrideschi | am 4.Februar 2015 um 18:10 Uhr

Ach ja die böse Frage beim Bewerbungsgespräch… Aber auch so ist es wichtig die eigenen Stärken zu kennen und auch einzusetzen. Beim Test geht es eigentlich nicht um gut oder schlecht aber wenn dir das Ergebnis gefällt ist gut. 😉

Liebe Grüße
Tina

Bine | am 4.Februar 2015 um 20:34 Uhr

Hihi, ja das meinte ich : er ist so ausgefallen, wie ich mich eingeschätzt hätte. 😉 Liebste Grüße, Bine

Self-Image - Artikelserie: Positive Psychologie - Be-Self-BlogBe-Self-Blog | am 9.Februar 2015 um 11:15 Uhr

[…] auch einfach mal genau auf wie du dich siehst, was für ein Mensch du bist. Im letzen Artikel der Serie ging es um deine persönlichen Stärken. Vielleicht hast du durch diese Übungen ja schon einiges […]

Lukas | am 26.August 2016 um 00:35 Uhr

Die eigenen Stärken bewirken in unserem Leben wirklich extrem viel.
Wir werden Selbstbewusster und stehen für unser Können! Ich helfe täglich Menschen, ihr wirkliches Ich zu finden und bin immer wieder erstaunt, wie viel es bewirkt, sich selber zu kennen 🙂

Christina Schindler | am 27.August 2016 um 11:33 Uhr

Hi Lukas,

natürlich ist es wichtig. Man kann ja auch viel besser mit etwas umgehen, wenn man es kennt und versteht. Super, dass du den Menschen dabei hilfst ihre Stärken zu finden. 🙂

Alles Liebe
deine Tina

Sascha | am 18.September 2017 um 09:05 Uhr

HI. Ich bin auch der Meinung, dass man unbedingt seine Stärken rausfinden sollte. Meine Eltern haben sich auf das Negative konzentriert, da ich früher etwas hyperaktiver als andere Kinder war. Dabei war mir einfach nur langweilig aber ich wusste es als kleines Kind nicht.

Bist ich mit 14 eine meiner Stärken, die Vorstellungkraft, auf die Schliche gekommen bin.

Meiner Vorstellungskraft bin ich mir das erste mal mit 14 bewusst geworden. Bis zu meinem 14. Lebensjahr dachte ich, dass ich ich unmusikalisch wäre, bis ich verschiedene Musikinstrumente ausprobierte. Eines gefiel mir besonders. Die Geige. So lernte ich aus eigener Motivation Geige und konnte mit wenig Übung nach 1 Jahren in das Orchester meiner Musikschule. Nach 1,5 Jahren, als Teenager. Die anderen waren alle durchschnittlich bereits 5 bis 10 Jahre dabei.

Ich bin mir absolut sicher, dass meine Stärke Vorstellungskraft mich dazu bewogen hat, mit diesem Instrument anzufangen und es so schnell zu lernen. Wer weiß, was wäre, wenn ich bereits mit 5 Jahren angefangen hätte und nicht mir Ende 14?

Man sieht also was es ausmacht sich nicht auf das Negative, sondern auf das Positive zu konzentrieren. In mir hat einfach was geschlummert und das ist bei jedem Menschen so.

Christina Schindler | am 18.September 2017 um 11:01 Uhr

Hi Sascha,

es freut mich dass du es geschafft hast dich auf das Positive zu konzentrieren und somit deine Ziele zu erreichen. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte. 🙂

Alles Liebe,
deine Tina

David | am 1.Januar 2019 um 23:57 Uhr

Demut ist nicht zu verwechseln mit Bescheidenheit. Bescheidenheit als Selbstgenügsamkeit und Verzicht auf Luxus grundsätzlich gut, Demut hingegen als spirituelle Einstellung, die das Abhängigkeitsverhältnis von Mensch zu Gott auch bei den Menschen untereinander widerspiegeln soll ist eine klare Schwäche und nur für den verwirrten Christen etwas positives.

Christina Schindler | am 2.Januar 2019 um 21:14 Uhr

Hi David,

ja bei Begrifflichkeiten scheiden sich die Geister. Darum ist es auch bei solchen Listen immer wichtig, Begriffe zu verwenden, mit denen man selbst etwas anfangen kann und die in dem Fall auch etwas positives bedeuten.

Da muss Demut für dich also ersetzt werden, ein anderer verbindet vielleicht Gutes damit.

Danke für deine Ergänzung!

Alles Liebe,
deine Tina